Bundesregierung 2009: Der Außenminister

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Die Verhandlungen neigen sich dem Ende entgegen und der Koalitionsvertrag steht – zumindest im Entwurf. Nach dem Schock des Wahlabends sieht man sich nun mit der neuen Politikerriege konfrontiert, die die zukünftige Bundesregierung stellen soll.

Guido Westerwelle wird Außenminister. Was vielerorts als selbstverständlich gilt, denn allzu oft beruft man in diesem Zusammenhang auf „ungeschriebene Gesetze“ oder „die Gepflogenheiten der Regierungsbildung“, ist in Wahrheit ein abenteuerliches Spiel mit dem zweitwichtigsten Posten im Lande. Westerwelle mag politische Erfahrung haben, wirkliche Erfolge sucht man in seiner Karriere bisher aber vergebens. Mit seinem „Projekt 18“1 erklärte er das Wahlziel seiner Partei bei der Bundestagswahl 2002: 18 % aller Stimmen wollte er für die FDP holen. Um dies zu erreichen, biederte er sich seinen potenziellen Wählern regelrecht an. Er tourte mit dem „Guidomobil“ durch Deutschland, klebte sich kurzerhand eine gelbe „18“ auf die Schuhsohlen und tauchte sogar im Bumscontainer von „Big Brother“ auf. Dass man mit derartig platten Aktionen zwar die machtgeilen Parteifreunde begeistern, bei den Wählern aber nicht einmal einen Blumentopf gewinnen kann, musste er am Wahlabend schmerzlich zur Kenntnis nehmen. Nur 7,4 % der Stimmen erhielten die Liberalen und erreichten so nicht einmal die Hälfte des vollmundig erklärten Wahlziels. Das roch nach Konsequenzen und so verließ Fritz Goergen die Partei, während Jürgen Möllemann nur kurze Zeit später mit seinem nicht öffnenden Fallschirm vom Flugzeug aus geradewegs und ungebremst in den deutschen Ackerboden sprang. Der süffisant Dauer grinsende Westerwelle hingegen polterte fröhlich weiter durch die Talkshows der Republik und vergaß nie zu erwähnen, wie wichtig eine gute Opposition sei. Dass ihm selbst die Opposition nie gut genug war, zeigt die Tatsache, wie sehr er sich der Macht Willen im Wahlkampf der Kanzlerin an den Hals warf. Wie ein Ertrinkender, der sich an den Mast des sinkenden Schiffs klammert, so klebte Leichtmatrose Westerwelle an der Fregatte Merkel, an seiner einzigen Chance zur Macht: schwarz-gelb. Ihn störte auch nicht, dass die Kanzlerin ihn immer wieder im Regen stehen ließ wie einen nassen Hund und sich bis fast zuletzt nie glasklar für eine Wunschkoalition mit der FDP aussprach.

Nun hat er also das, wonach er gierte. Ob er im Amt des Außenministers und Vizekanzlers über das bloße Poltern und Voraussagen hinauskommt, wird er nun beweisen müssen. Dass mangelnde Englischkenntnisse2 allein kein Grund für das Scheitern eines Spitzenpolitikers auf der Weltbühne bedeuten müssen, zeigt die 16-jährige Regierungszeit eines Kanzlers, der – nicht ganz ernst gemeinten Gerüchten zufolge – beim Anstoßen mit Margret Thatcher auf deren „To your health!“ mit „To your Dunkles!“ zugeprostet haben soll.

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3 Kommentare zu “Bundesregierung 2009: Der Außenminister”

  1. Katrin schrieb:

    Oh mein Gott…oh mein Gott!
    Ein Außenmininster muss doch nicht englisch können…oder????

  2. Dauernörgler schrieb:

    @Katrin
    Bemerkenswert hierzu ist übrigens die Tatsache, dass Herr Westerwelle bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Wahlsieg einen BBC-Journalisten mit den Worten “Wir sind hier in Deutschland!” abblitzen ließ (Quelle: Spiegel Online). Der freundliche Engländer verlangte nicht etwa, dass Westerwelle den Union Jack hisste oder “God save the Queen” zum Besten gibt. Nein, er WOLLTE lediglich eine Frage auf englisch stellen, was eine Antwort in derselben Sprache bedeutet hätte. Das freilich konnte unser wortgewandter Außenminister nicht zulassen, denn ein weiteres Zeitdokument, wie das hier bei YouTube verlinkte, ist unter allen Umständen zu vermeiden.

    Schön, dass wir einen so polyglotten, weltoffenen Minister des Äußeren haben. Da kann ja nichts mehr schief gehen.

  3. Katrin schrieb:

    Eigentlich brauchen wir uns nicht beklagen, denn auch wenn komischerweise niemand schwarz/gelb gewählt hat, sind die Herren und Damen seltsamerweise dennoch die neue Bundesregierung!

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